Die häufigste Frage in meinen Erstgesprächen ist nicht, ob KI-Bilder gut genug sind. Es ist diese: Was kostet das im Vergleich?
Die ehrliche Antwort braucht mehr als zwei Zahlen nebeneinander. Denn die eigentlichen Kosten eines Shootings stehen nicht auf der Rechnung des Fotografen, und die eigentlichen Kosten von KI-Produktion liegen nicht im Generieren. Hier ist die Rechnung, wie ich sie mit Kunden durchgehe.
Was ein Shooting kostet: die sichtbare Rechnung#
Ein professionelles Kampagnenshooting setzt sich zusammen aus Location (Scouting, Miete, teilweise Genehmigungen), Model inklusive Agenturprovision, Fotografie mit Assistenz und Equipment, Styling, Hair and Make-up, Reisekosten, Catering und der Postproduktion.
Machen wir es konkret, am Beispiel eines zweitägigen Kampagnenshootings für eine Wäsche-Brand mit einem Model. Typische Größenordnungen im DACH-Raum:
- Model: Tagessatz 1.500 bis 3.000€, bei Wäsche meist mit Zuschlag. Dazu kommen die Nutzungsrechte, der sogenannte Buyout: Dafür, dass die Bilder überhaupt verwendet werden dürfen, wird noch einmal das Doppelte bis Dreifache des Tagessatzes fällig. Für zwei Tage inkl. zwei Jahren Nutzung: 8.000 bis 15.000€
- Fotografie: 2.500 bis 5.000€ pro Tag, plus Assistenz und Equipment: 7.000 bis 12.000€
- Location: 1.500 bis 3.000€ Miete pro Tag. Falls die Location erst gesucht werden muss, kommt professionelles Scouting zusätzlich obendrauf
- Styling, Hair & Make-up: 2.000 bis 3.500€ für beide Tage
- Postproduktion: 50 bis 150€ pro finalem Motiv
- Reise und Unterkunft: Der Posten, der gern vergessen wird. Sommerkollektionen werden im Winter geshootet, und im Winter gibt es hier kein Sommerlicht. Also geht das ganze Team ins Ausland: Flüge, Hotels, Transport und Spesen für sechs bis acht Personen über mehrere Tage, schnell 5.000 bis 12.000€ zusätzlich
- Produktion und Organisation: Koordination, Catering und Puffer, meist 10 bis 15% auf alles
Unterm Strich: 30.000 bis 60.000€ für zwei Shooting-Tage. Das ist keine Luxusproduktion, das ist der normale Apparat. Große Markenkampagnen mit mehreren Models und aufwendigen Locations erreichen problemlos sechsstellige Budgets.
Und wie viele Motive bekommt man dafür? Das ist die falsche Frage, und genau das ist Teil des Problems. An den Shooting-Tagen wird so viel produziert wie irgend möglich. Wie viel davon am Ende wirklich verwendbar ist, zeigt sich erst Wochen später.
Das ist die sichtbare Rechnung. Sie ist nicht das Problem.
Die versteckten Posten, die niemand budgetiert#
Die Vorlaufzeit. Zwischen Konzept und fertigem Material liegen oft 4 bis 6 Monate. Diese Zeit kostet nicht direkt Geld, aber sie kostet Flexibilität: Die Kampagne wird auf Basis von Annahmen geplant, die zum Launch schon überholt sein können.
Das Produktrisiko. Zum Shooting-Termin existiert die neue Kollektion häufig nur als Prototyp, nicht in jeder Größe, nicht in jeder Farbe. Was nicht da ist, wird nicht fotografiert. Fehlendes Material fällt erst später beim Sichten auf, wenn nichts mehr nachproduziert werden kann.
Die Lizenz-Uhr. Der teuerste versteckte Posten.
Model-Lizenzen sind befristet, üblich sind zwei oder vier Jahre. Danach darf das Material nicht mehr verwendet werden: nicht auf der Website, nicht im Shop, nicht im Archiv für Social Media. Die Bilder, die einen fünfstelligen Betrag gekostet haben, haben ein Ablaufdatum. Wer zehn Jahre Markenkommunikation plant, bezahlt denselben Apparat drei- bis fünfmal.
Der Alles-an-einem-Tag-Zwang. Was am Shooting-Tag nicht im Kasten ist, ist nicht im Kasten. Ein vergessenes Format, ein neues Kampagnenthema, ein nachgeschobenes Produkt: jede Änderung bedeutet eine neue Produktion mit vollem Apparat.
Was KI-Produktion kostet#
KI-gestützte Produktintegration hat eine andere Kostenstruktur. Es gibt keine Location, kein Model, keine Reisekosten und keine Lizenzlaufzeit. Was bleibt, ist Arbeitszeit: die Entwicklung der Bildwelt, die Integration der echten Produkte, die professionelle Nachbearbeitung jedes Motivs und die Qualitätskontrolle gegen den Packshot-Master.
Das ist keine Kleinigkeit, und wer es als solche verkauft, liefert Rohmaterial statt Kampagnenbilder. Aber die Größenordnung ist eine andere: Für ein vergleichbares Motivpaket sprechen wir, je nach Umfang und Anspruch, über einen mittleren vierstelligen bis niedrigen fünfstelligen Betrag. Also grob ein Fünftel bis ein Drittel der Shooting-Rechnung, ohne die versteckten Posten. Und anders als beim Shooting weiß man vorher, welche Motive man bekommt, denn produziert wird gezielt, nicht auf Vorrat und Hoffnung.
Wichtiger als der Preis pro Bild ist die Struktur der Kosten:
Es gibt keinen Verfall. Die Bilder gehören der Marke, unbegrenzt. Keine Lizenz läuft ab, nichts muss gelöscht werden.
Es gibt keinen Produktionstag. Ein neues Motiv, ein zusätzliches Format, ein nachgeschobenes Produkt kostet genau das: ein Motiv. Nicht den ganzen Apparat.
Es gibt kein Produktrisiko. Produkte werden integriert, sobald es sie gibt, auch wenn die Kampagne längst geplant ist. Die Vorlaufzeit schrumpft von Monaten auf Tage.
Die ehrliche Einordnung#
Damit das nicht wie ein Verkaufstext endet: KI-Produktion ist nicht immer die richtige Antwort. Kampagnen, die von einer bestimmten Persönlichkeit leben, echte Reportage-Momente, Testimonial-Formate mit realen Menschen: dafür braucht es Shootings, und das wird so bleiben.
Die richtige Frage ist nicht Shooting oder KI. Die richtige Frage ist: Für welche Anwendungsfälle braucht es den vollen Apparat, und wo bezahlt man ihn nur aus Gewohnheit?
Produktbilder für die Website, Kampagnenmotive in zehn Formaten, kontinuierlicher Social-Media-Content: das sind die Fälle, in denen die Rechnung eindeutig ausfällt.
Meine Empfehlung an Marken ist deshalb selten entweder oder. Sie lautet: das große Shooting seltener und gezielter, die laufende Bildproduktion smarter.