Auf den ersten Blick ist das Bild perfekt. Warmes Licht, natürliche Haut, das Produkt sitzt gut in der Hand. Man würde es so posten.
Genau das ist das Problem.
In einem der letzten Beiträge ging es um den Apparat hinter klassischen Shootings. Die naheliegende Antwort darauf heißt KI, und tatsächlich lassen sich heute Bilder generieren, die auf Feed-Größe von echten Fotos nicht zu unterscheiden sind. Aber zwischen einem Bild, das gut aussieht, und einem Bild, das eine Marke tragen kann, liegt genau die Arbeit, die man auf den ersten Blick nicht sieht.
Ich zeige das an echten Beispielen aus meiner Arbeit. Alle Bilder stammen aus einer Serie für malira, jeweils als Rohversion und als finales Motiv.
Fehler 1: Die Typografie kippt#
KI kann beeindruckende Szenen bauen, aber sie kann nicht zuverlässig schreiben. Kleine Labeltexte sind ihre größte Schwachstelle.
Aus "botanical care" wird auf einem Motiv "bateriéal care", auf dem nächsten "boterldst skre". Die Subline "radiance & balance" mutiert zu "kalance & balance" oder "hislance & balance". Beim Haaröl wird aus "strength & shine" erst "strength & skins", dann "strength & skine".
Auf Feed-Größe fällt das niemandem auf. Im Zoom, auf der Website, im Print ist es sofort peinlich. Und es ist das Erste, wonach ein geschultes Auge sucht.

Fehler 2: Die Proportionen driften#
Ein 30-ml-Serum hat eine definierte Größe. Auf rohen KI-Bildern hat es die nicht: mal wirkt die Flasche zierlich, mal füllt sie die halbe Hand, als wären es 100 ml.

Einzeln fällt das kaum auf. Nebeneinander schon. Und genau so werden Kampagnenbilder verwendet: nebeneinander, im Feed, im Shop, auf der Landingpage. Ein Produkt, das auf jedem Motiv eine andere Größe hat, untergräbt leise das Vertrauen in die Marke.
Fehler 3: Details erfinden sich neu#
Füllmengen ändern sich von 1.0 auf 1.8 fl. oz. Icons wandern über das Etikett. Sublines tauchen auf und verschwinden. Jedes generierte Bild ist eine Neuinterpretation, und die KI hat kein Konzept davon, dass ein gedrucktes Etikett auf jedem Foto identisch aussehen muss.

Fehler 4: Die Anatomie#
Der Klassiker, und er ist nicht verschwunden: Hände. Finger, die falsch abknicken, einer zu viel, einer zu wenig. Gerade bei Produktbildern, wo die Hand das Produkt hält, ist das die häufigste Korrektur.

Einzeln Kleinkram, zusammen ein Markenproblem#
Jeder dieser Fehler für sich ist eine Kleinigkeit. Aber eine Marke lebt nicht von einem Bild, sondern von Konsistenz über alle Bilder hinweg. Gleiche Labels, gleiche Proportionen, gleiche Details, auf jedem Motiv, in jedem Format.
Genau das kann rohe KI nicht liefern. Sie generiert Varianten, keine Systeme.
Nachbearbeitung ist keine Kür, sie ist der Job#
Deshalb sieht mein Prozess so aus: Die Basis ist ein Packshot-Master pro Produkt, die verbindliche Referenz für jedes weitere Motiv. Jedes generierte Bild wird dagegen geprüft und in Photoshop nachbearbeitet, bis Label, Proportionen und Details exakt stimmen. Erst dann ist ein Motiv kampagnentauglich.
Das Ergebnis ist Bildmaterial, das sich nicht als KI-generiert zu erkennen gibt und das eine Marke über Website, Kampagnen und Social Media konsistent trägt. Ohne Shooting, ohne Lizenzlaufzeiten, jederzeit erweiterbar.
Wer nur generiert, verkauft Rohmaterial. Der Unterschied liegt in allem, was danach kommt.